Herzlich Willkommen [M]eine Kreisgeschichte (23)

Wir schwebten in trügerischem Frieden.

Gegessen wurde draußen an einem riesigen rustikalen Holztisch an dem wir teilweise zu zwölft saßen. Wir erfuhren, dass Anne, Thomas Frau sowie Tassilo und Sonia die weiteren Mitbewohner der Callahan-Gemeinschaft sind. Anne und Thomas haben zwei Kinder. Tassilo und Sonia haben drei erwachsene Kinder und zwei Enkel. Da gerade Sommerferien waren, waren alle Kinder und Enkel ebenfalls zu Besuch.

Wir waren, mit Ausnahme von Sonia und Tassilo, im gleichen Alter was eine sehr harmonische Grundstimmung und Verständigung eröffnete. Wir fühlten uns eingeladen, angenommen und vielleicht ein bisschen zu sehr angekommen. Uns war als wollten wir unsere Tour um zwei weitere Monate ausdehnen um mindestens einen davon in der Lenzwaldgemeinschaft zu verbringen.

In den Nachmittagsstunden erhielten wir unsere Einführung in Possibility Management. Zu Beginn erklärte uns Thomas in klaren Worten, was es ist und wie es funktioniert.

Der CircleWay-Filmteam-Möglichkeiten-Kreis

Wie bereits im Scott-Peck-Einführungsworkshop war ich darauf eingestellt, dass wir jetzt endlich unsere gemeinsamen Sachen „auf den Tisch“ packen würden und Tabularasa. Wieder lief meine Hoffnung diesbezüglich ins Leere. Dafür erhielten wir alle, jeder für sich, noch mehr Geschenke.

Jeder durfte für sich ein Thema wählen, das für ihn gerade besonders wichtig war. Ich wählte mein Beziehungsthema mit Martin.

Thomas bat mich, die Augen zu schließen und mir dieses Gefühl vorzustellen, dass in mir hochkäme, wenn ich an Martin dachte. Er fragte mich blitzschnell:

„Welches Gefühl ist es, Wut, Freude, Traurigkeit, Angst?“

Sofort schoss es aus mir raus: „Traurigkeit“ und begann augenblicklich zu weinen. Thomas fragte weiter:

„Kann es sein, das da noch ein Gefühl ist und diese beiden vermischt sind?“

Ich wurde still. Überlegte. Fühlte in mich hinein und dachte bei mir:

Sicher kann das sein, dass da noch ein anderes Gefühl ist, bestimmt sogar, was weiß ich, ob sie vermischt sind, und wenn ja, wie erkenne ich das?

Offensichtlich, hatte Thomas meine Suche nach einer Antwort zu lange gedauert. Er bat mich die Augen zu öffnen und fragte mich, ob es Wut sein könne, die ich neben der Traurigkeit empfand. Zögernd bejahte ich diese Möglichkeit. Er erklärte weiter, dass es in unserer Kultur üblich gewesen war, den Kindern Wut zu verbieten, insbesondere den Mädchen. Weshalb es dazu gekommen war, dass Frauen dazu neigten schneller in die Traurigkeit zu gehen als in die Wut.

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